Wenn Vergangenheit Geschichte ist - Eine Familiengeschichte, eingebettet in die Geschehnisse des 20. Jahrhunderts
Die überarbeitete Fassung als e-book im neuen Gewand
Der Klappentext
Hanna
Elisa fliegt gemeinsam mit ihrem Mann in den Mittleren Osten, um ihre Tochter
und das neugeborene Enkelkind zu besuchen. Auf dem langen Flug führen die
Gedanken sie in eine Zeit, die sie nur aus Erzählungen ihres Vaters und ihres
Großvaters kennt, verfangen sich in den unruhigen Zeiten ihres eigenen Beginns.
Es
begann alles auf einer Hochzeit, als die fröhliche Lilli dem Marinesoldaten
Hardy begegnete, der einst ausgesandt wurde die Welt zu erobern. Der ehemalige
U-Boot Funker Hardy, Sohn eines Bergarbeiters oft nur knapp dem Tod auf den
Weltmeeren entronnen und Lilli, ein unbekümmertes rheinisches Mädchen, planten
voller Zuversicht ihre gemeinsame Zukunft. Tatkraft und Ideenreichtum,
Optimismus und Humor prägten ihre Taten, die sie auch die schwierigsten Zeiten
überstehen lässt. Hanna Elisa erlebte zwei Welten. Da war Lillis Familie,
angeführt von Jakob, dessen hohes Ansehen im Dorf ihn zum Berater der
Unsicheren machte. Von ihm lernte Hanna Elisa schon früh, sich einzumischen und
die streng katholische Großmutter, die dem Kind nicht erlaubte am Morgen vor
dem Beten zu singen. Im Ruhrgebiet lebten Hardys Eltern, unpolitisch und nicht
nur zu Jakobs Entsetzen waren sie einst Befürworter Hitlers Politik. Erst als
die Auswirkung des Krieges auch ihre Familie erreichte entstanden Zweifel. Hier erlebte Hanna Elisa Urlaubstage ohne
Fesseln, Zusammentreffen der Nachbarschaft auf der Bank unter dem Fliederbaum,
gemeinsames Musizieren, Toleranz - aber auch das Auseinandergehen der
langjährigen Gemeinschaften, als der Fernseher seinen Siegeszug antrat.
Leseprobe
Beim Entladen
des ersten mit Proviant bestückten Lkws war Hardy einem älteren Gefangenen
zugeteilt worden, der ihn fragend angesehen hatte,
„Bist du nicht
der zukünftige Schwiegersohn vom Königsfelds Jakob?“
Überrascht
hatte Hardy seine Arbeit unterbrochen und erfahren, Heinz war der Bäcker, bei der Lillis Familie schon immer das Brot
kaufte und an Kirmes und bei Familienfeiern den von Sophia vorbereiteten
Prummekuche und Appeltaat in seinem Backofen backte, weil ihr eigener Herd dem
Ansturm der Gäste nicht gewachsen war.
"Ist das ein Zufall, dass wir hier
zusammen treffen?"
Verständnisvoll
nickte Hardy zu den Klagen des Majors, dachte an Heinz und fragte, ob er seine
Küche einem Bäcker anvertrauen würde?
„Warum nicht?
Ein Bäcker weiß mit Feuer, Mehl, Eiern und Zucker umzugehen und was kann er
falsch machen? Ungenießbarer kann das Essen nicht mehr werden!“
Kurz entschlossen beförderte er den
Kriegsgefangenen Heinz Klusen zu seinem persönlichen Koch und der Major sollte
seine Entscheidung nicht bereuen. Heinz kochte fabelhaft und die Freude, die er
als Bäcker empfand, wenn er Neues ausprobierte, ließ ihn auch als Koch
Experimente wagen und seine Kochkünste steigerten sich von Woche zu Woche.
Der einst in geheimen Kommandosachen des
Großadmirals Dönitz eingeweihte Funker Hardy bekam feierlich die Verantwortung
für des Majors liebstes Spielzeug, das Motorboot, übertragen und wurde
gleichzeitig zum technischen Betreuer und „Mädchen für alles“ ernannt.
Kaum mit seiner neuen Aufgabe betraut, lief
Hardy aufgeregt durch das Haus und alle Nebengebäude, besah sich Heizung und
Wasserrohre, begutachtete Dachrinnen und Regenauffangbecken, bestaunte die
riesige Waschküche, bewunderte die geschmackvoll ausgestatteten Bäder und kam
am Ende seines Rundgangs zu dem Schluss,
„Hier habe ich
nicht viel Arbeit. Alles ist tipptopp gepflegt“.
Beruhigt lenkte er seine Schritte zur Küche.
Die ihm anvertraute Aufgabe würde er meistern. Die Küchentür war geöffnet und
schon von weitem sah Hardy inmitten der Küche Heinz stehen, der versonnen in
die offen stehenden Schränke starrte.
„Hier fehlt
Vielerlei. Wenn ich dem Major etwas Ordentliches auf den Tisch bringen soll,
brauche ich noch einiges an Zutaten!“
und diktierte
Hardy eine lange Liste zu besorgender Lebensmittel und Gewürze. Zwei Stufen auf
einmal nehmend rannte Hardy die Treppe hinauf, die in das Büro des Majors
führte und legte ihm die lange Wunschliste vor. Der Major warf einen kurzen
Blick auf das Papier und entließ Hardy in den Feierabend,
„Das werden sie
Morgen alles besorgen. Ein LKW mit Fahrer steht ihnen um sechs Uhr zur
Verfügung!“
Wieder in der
Küche klopften sich die beiden frisch rekrutierten gegenseitig auf die
Schulter,
„Haben wir ein Dusel.
Hier könne wir es aushalten!“
und saßen am
nächsten Tag pünktlich im Führerhaus eines LKWs, wurden zu den verstreut
liegenden Versorgungslagern gefahren und erhielten alle die Dinge, die Heinz
brauchte, um seine Kochkünste entfalten zu können.
Auf der
Rückfahrt riss der Fahrer die beiden aus ihren Träumen,
„Die nächste
Fahrt macht ihr alleine. Merkt euch den Weg.“
Erstaunt sahen die Gefangenen sich an. Das
konnte doch nicht wahr sein? Bei der ersten Straßenecke würde man sie anhalten
und ehe sie sich versahen wären sie zum zweiten Mal gefangen genommen,
hoffentlich von derselben Einheit. Was
sollten sie dazu sagen? Sie zuckten mit den Schultern. Auch für dieses sich
anbahnende Hindernis fänden sie eine Möglichkeit, es zu umgehen. Erst einmal
müssten sie den heutigen Tag hinter sich bringen und Hardy bat Heinz auf den
Weg zu achten,
„Ich habe
keinen Orientierungssinn, kann mir keinen Weg merken. Ohne Hilfe verfahre ich
mich ständig“.
„Wenn das unser
einziges Problem bleibt. Habe bisher noch alles
gefunden.“
und
zum ersten Mal gewahrten sie die Sonne, die sie schon seit Tagen auf ihrem
ungewöhnlichen Weg, Wärme und Helligkeit ausstrahlend, begleitete.
Am nächsten Abend standen beide in der Küche,
die gelassen Heinz erstem Kochversuch Stand gehalten hatte und aufgeräumt im
neuen Glanz erstrahlte, erfreut die Düfte erwartend, die demnächst bis in ihren
letzten Winkel dringen würden. Zum Ausklang des Tages würden Heinz und Hardy
sich in Zukunft regelmäßig am Küchentisch zusammensetzen, um die neuesten
Ereignisse zu besprechen.
Jetzt betrachteten sie sich grinsend, warfen
sich in die Brust und bestaunten gegenseitig ihre neue Garderobe.
„Wie gut dass
wir uns gestern keine Gedanken über unsere öffentlichen Auftritte gemacht
haben“.
„Ich hätte
niemals geglaubt, dass der Major zu so unkonventionellen Mitteln greift, und
uns so viel Bewegungsfreiheit einräumt“.
„Und so
schnell! Er kennt uns doch erst ein paar Stunden und weiß nicht, ob wir seinen
Anforderungen genügen oder uns bei passender Gelegenheit still und leise aus
dem Staub machen werden“.
„Ist irgendwann
schon einmal jemand so schnell zum Feind übergewechselt wie wir?“
Hardy sah an
sich herunter.
„Es ist
eigenartiges Gefühl in der Uniform des Feindes zu stecken. Irre, wenn man
bedenkt, dass wir uns in unserem eigenen Land ohne diese Verkleidung nicht frei
bewegen können, in der Uniform uns sogar in der Freizeit alle Türen offen
stehen“.
Heinz zupfte
fröhlich an seiner Armbinde herum, auf der die Zugehörigkeit zu „ihrem“
schottischen Bataillon vermerkt war,
„Uns geht es
gut! Jetzt kann uns nicht mehr viel passieren!“
und lachte, als
er an Hardys Gesichtsausdruck dachte, als der Major befahl, den beiden
Neuzugängen eine Uniform seines Heeres anzupassen.
Die Ausfahrten schweißten Heinz und Hardy zusammen.
Sie verstanden sich gut und wussten aus ihrer Situation das Beste zu machen.
Bei jeder Fahrt lernten sie neue Menschen kennen, knüpften wertvolle Kontakte
für ihren zukünftigen Tauschhandel, weihten den anderen in ihre Gedanken und
Erkenntnisse ein, versorgten sich mit Lebensmitteln und anderen Bedarfsgütern,
derer sie habhaft werden konnten.
Hardys Unterkunft befand sich im
obersten Geschoss der Villa, direkt unter dem Dach. Seine Verpflichtungen erlaubten
ihm sich in allen Räumen ungehindert zu bewegen und mit der ihm angeborenen
Zurückhaltung bewegte er sich leise und unauffällig. Schon nach wenigen Tagen
hatten sich alle



























